METHODE
Perspektiven auf ein Problem wechseln
Mit dieser Methode kannst du einen Problemrahmen hinterfragen und begründet neu fassen.
Ziel und Kurzüberblick
Problemrahmen hinterfragen
Wenn eine Problemstellung bereits eine Lösung voraussetzt, immer dieselben Ideen entstehen oder Beobachtungen nicht zur bisherigen Sicht passen
45–90 Minuten
3–6 Personen; Rückkopplung mit Betroffenen
Problemraum · primär
Eine begründete, lösungsoffene Problemstellung mit dokumentierten Annahmen und Grenzen
Planungswerte für einen ersten fokussierten Durchgang. Datenerhebung, Tests, Abstimmung und Umsetzung können zusätzliche Zeit benötigen.
Was ist die Methode?
Perspektivwechsel hinterfragt, wie ein Problem bisher betrachtet wird, und entwickelt alternative Rahmen. Dabei können Beteiligte, Zeitraum, Situation oder angenommene Ursachen verändert werden. Eine neue Sicht muss zu beobachtetem Bedarf und Auftrag passen; Umbenennen allein genügt nicht.
Heutiger Rahmen
Perspektive und Annahmen hinterfragen
Begründeter neuer Rahmen
Wann einsetzen?
Nutze diese Methode, wenn eine Problemstellung bereits eine Lösung voraussetzt, immer dieselben Ideen entstehen oder Beobachtungen nicht zur bisherigen Sicht passen.
Nicht ausreichend, wenn … eine neue Sicht ohne Belege oder ohne geklärten Handlungsspielraum übernommen werden soll.
Leitfrage
Welche andere, belegbare Sicht auf [Problem] trifft das dahinterliegende Bedürfnis besser, ohne unseren Auftrag aus den Augen zu verlieren?
Vorbereitung und benötigte Informationen
Kläre die Fragestellung, die Beteiligten und die verfügbaren Informationen vor dem Start. Nutze für die Dokumentation das verlinkte Arbeitsblatt.
Ablauf in Schritten
Das benötigst du: Bisheriger Problemrahmen, konkrete Nutzerhinweise, dokumentierte Annahmen und vereinbarte Grenzen des Auftrags.
Bearbeite die Aufgaben der Reihe nach. Das Ergebnis jedes Schritts hilft dir beim nächsten.
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01Ausgangsrahmen klären
Deine Aufgabe
Ausgangsrahmen festhalten: Formuliere das Problem aus der heutigen Sicht. Benenne betroffene Menschen, Situation und gewünschte Wirkung.
Ergebnis dieses Schritts
Ein dokumentierter Ausgangsrahmen.
Wozu? Damit der heutige Blick einschließlich seiner Grenzen sichtbar wird.
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02Annahmen erkennen
Deine Aufgabe
Annahmen sichtbar machen: Welche Ursache wird vorausgesetzt? Welche Lösung steckt bereits in der Frage? Welche Perspektiven fehlen?
Ergebnis dieses Schritts
Offene Annahmen und fehlende Perspektiven.
Wozu? Damit versteckte Ursachenannahmen und Lösungsvorgaben erkannt werden.
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03Ziel verstehen
Deine Aufgabe
Das dahinterliegende Ziel verstehen: Frage, was Menschen eigentlich erreichen möchten und warum das wichtig ist. Stütze die Antworten auf Interviews, Beobachtungen oder andere nachvollziehbare Hinweise.
Ergebnis dieses Schritts
Ein belegtes dahinterliegendes Ziel.
Wozu? Damit die Bedeutung für betroffene Menschen verstanden wird.
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04Alternativen formulieren
Deine Aufgabe
Alternative Rahmen formulieren: Verändere etwa die Perspektive der Beteiligten, den betrachteten Zeitraum, die Situation oder die angenommene Ursache. Formuliere mehrere offene „Wie könnten wir …?“-Fragen.
Ergebnis dieses Schritts
Mehrere lösungsoffene Rahmen.
Wozu? Damit unterschiedliche Perspektiven als Alternativen vorliegen.
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05Rahmen vergleichen
Deine Aufgabe
Rahmen vergleichen: Prüfe Relevanz, Belege, Lösungsoffenheit und Bearbeitbarkeit. Halte fest, was durch die neue Sicht sichtbar wird und was ausgeblendet werden könnte.
Ergebnis dieses Schritts
Eine begründete Auswahl mit Grenzen.
Wozu? Damit die neue Sicht begründet und bearbeitbar bleibt.
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06Neuen Rahmen prüfen
Deine Aufgabe
Neuen Rahmen prüfen: Wähle eine begründete Problemstellung und kläre offene Annahmen mit betroffenen Menschen. Passe bei Bedarf das Suchfeld an.
Ergebnis dieses Schritts
Eine überprüfbare Problemstellung mit nächster Lernfrage.
Wozu? Damit die neue Problemstellung nicht ungeprüft zur Wahrheit wird.
Ergebnis und Auswertung
Eine begründete, lösungsoffene Problemstellung mit dokumentierten Annahmen und Grenzen. Sie ermöglicht die nächste Untersuchung oder Ideenentwicklung; Gegenbelege können eine erneute Rahmung erforderlich machen.
Beispiel zur Einordnung
Vereinfachtes fiktives Beispiel zur Einordnung.
Das Team betrachtet zunächst die Parkplatzsuche.
Es fragt nach dem Ziel und formuliert als Alternative die verlässliche, stressfreie Ankunft am Arbeitsplatz.
Der weitere Rahmen eröffnet andere Wege; ob Arbeitszeitänderungen zum Auftrag gehören, muss ausdrücklich geklärt werden.
Grenzen und typische Fehler
Hilfreich ✓
- Alten und neuen Rahmen an denselben Beobachtungen prüfen.
- Handlungsspielraum und Grenzen dokumentieren.
- Den neuen Rahmen mit Betroffenen rückkoppeln.
Vermeiden ✕
- Nur andere Wörter für dieselbe Lösung verwenden.
- Den Auftrag unbemerkt ausweiten.
- Eine bevorzugte Lösung nachträglich rechtfertigen.
Vertiefung
Problem umkehren
Eine einfache Variante des Perspektivwechsels: Drehe eine konkrete Frage zunächst um. Aus „Wie erleichtern wir eine Anfrage?“ wird „Wie machen wir eine Anfrage möglichst schwierig?“ Sammelt bewusst unerwünschte Lösungen und leitet daraus anschließend konkrete Verbesserungen ab.
- Ursprüngliche und umgekehrte Frage notieren.
- Hinderliche Maßnahmen sammeln.
- Jede hinderliche Maßnahme in eine Verbesserung übersetzen.
- Eine Verbesserung mit einer konkreten Nutzungssituation erproben.
Beispiel: Unklare Zuständigkeit und fehlende Rückmeldung erschweren eine Anfrage. Daraus entstehen ein benannter Ansprechpartner und eine verständliche Bestätigung. Ob diese helfen, bleibt zu prüfen.
Ideen aus mehreren Perspektiven betrachten bietet weitere Fragen. Danach schriftlich Ideen sammeln oder einen Prototyp erproben.
Passendes Werkzeug
Die Arbeitsfläche und das ausfüllbare Arbeitsschema findest du auf einer eigenen Werkzeugseite. Wähle die Methode nach deiner Fragestellung; nutze das Werkzeug zum Erfassen und Dokumentieren.
Arbeitsblatt · Perspektiven auf ein Problem wechseln öffnen →Nächster methodischer Schritt
Wähle den nächsten Schritt danach, welche Frage nach der Anwendung noch offen ist.